Sagen und Mythen aus dem Harz

Des Teufels Waschbecken

Auf der Brockenkuppe ragen einige seltsame Felsgebilde auf, als seien sie von Riesenhänden dort hingeworfen. Man hat sie die Teufelskanzel, den Hexenaltar und das Hexenwaschbecken genannt. Die Sage erzählt, dass früher auch ein Teufelswaschbecken dort oben gestanden habe, das nur vom obersten Teufel benutzt werden durfte. Dieses Becken war aber nicht aus Stein, wie das der Hexen, sondern aus Bronze, und stammte aus der unterirdischen Brockenschmiede, von deren Esse früher der Berg geraucht haben sollte.

In einer Walpurgisnacht nun, als die höllischen Getränke den Übermut der Hexen aufs höchste gesteigert hatten, spielten sie dem obersten Teufel einen Streich. Neidisch darauf, dass der Teufel für sich allein ein so herrliches Bronzebecken benutzen konnte, während sie alle zusammen auf das steinerne angewiesen waren, verunreinigten sie in einem unbeobachteten Augenblick gemeinsam die Bronzeschale. Als der Teufel an dem höllischen Gestank merkte, was hier vorgegangen war, wurde er fuchsteufelswild und schleuderte das beschmutzte Becken im hohen Bogen von der Brockenkuppe hinunter bis auf den Marktplatz von Goslar.

Spielende Kinder fanden am Morgen des ersten Mai die seltsame Schals, klopften mit den Knöcheln daran und wunderten sich, was für einen lauten Klang die Schale bei der leisesten Berührung von sich gab. Einer der Ratsherren, der den starken Ton hörte, kam auf einen guten Gedanken: Er ließ einen hölzerner. Klöppel anbringen, damit die Schale bei Feuers- oder Wassernot angeschlagen werden konnte. Zwei Dörfer weit rings um Goslar, ja sogar im Rammeisberg waren die Klänge der Sturmglocke zu hören, wenn der Stadt Gefahr drohte.

In späteren Jahrhunderten war die Stadt Goslar wohlhabend geworden; mit dicken Türmen bewehrte Mauern umzogen rings den Ort und schützten ihn gegen feindliche Überfälle. Die Holzhäuser waren Fachwerk- und Steinhäusern gewichen - die großen Brandkatastrophen gerieten in Vergessenheit und ebenso die Bedeutung der Bronzeschale auf dem Marktplatz. Der Rat der Stadt wollte sie aber nicht so unnütz herumstehen lassen und bestellte beim Glockengießer eine zweite dazu. Beide wurden nun übereinander auf eine Säule gesetzt, in die eine Wasserrinne geleitet wurde. So haben sie aus ‚des Teufels' Waschbecken einen Marktbrunnen gemacht, der heute noch in Goslar steht und sein Wasser von der einen Schale in die andere plätschern lässt.

Seit jener Walpurgisnacht aber, in der die neidischen Hexen den Teufel um seine Bronzeschale brachten, soll sich der Teufel nie wieder gewaschen haben, weswegen es heute noch in manchen Orten heißt: O du schwarzer Teufel!

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