Sagen und Mythen aus dem Harz - Übersicht

Woher der Ilsestein seinen Namen hat

Eine alte Sage weiß zu erzählen, dass schon zu einer Zeit, noch ehe je ein menschlicher Fuß das liebliche Tal der Ilse betreten, diese schon als eine gütige Fee in ihrem Reiche, das sich zu beiden Seilen des nach ihr genannten Baches erstreckte, gewaltet hat.

Eine milde Beschützerin war sie für alles, was im Bannkreis ihrer Herrschaft lag. Den Fuß der riesigen Fichten, die stolz und frei zum Himmel emporstrebten, umspülte sie mit den entquellenden Wassern ihres unterirdischen Kristallschlosses. Gräser und Blumen netzte sie mit klaren Tauperlen, so dass sie sich zu wunderbarer Schönheit entfalteten, und selbst das verfolgte Wild fand Schutz auf ihren saftigen Weideplätzen.

Wenn die geängstigten Tiere den Jagdruf des ewig pirschenden Weidmanns vernahmen, so suchten sie mit Aufbietung aller ihrer Kräfte die Grenze von Ilsen's Reich zu erlangen; denn sie wussten, dort waren sie sicher vor Pfeil und Bogen, konnten sorglos auf blumiger Aue äsen und ihren Durst am Rande des silberhellen Bergwassers löschen.

Voll Ingrimm sah der wilde Jäger täglich manchen stolzen Hirsch und manches schlanke Reh in das Tal der Ilse verschwinden, um Schutz zu suchen. Bis zum äußersten stieg sein Zorn aber eines Tages, als ein prachtvoller Eber, wie er selten in den Harzwäldern zu treffen war, sich des Jägers mühevoller Nachstellung entzog, indem er sich in einem zu Ilsen's Herrschaft gehörigen Tannendickicht verbarg und seinen Verfolger zur Umkehr zwang.

Von diesem Tage an sann der getäuschte Jäger ernstlich darauf, Rache an Ilse zu nehmen. Er wusste, wie alle Berggeister des Harzwaldes, dass die Macht der holden Fee in dem Besitz eines wundersamen Schwertes begründet sei, und dass Ilse, sobald sie desselben beraubt war, sich in die Tiefen ihres unterirdischen Wohnsitzes zurückziehen musste. Daher fasste er den Plan, die kostbare Waffe zu entwenden. Und wirklich gelang es ihm und seinem grausigen Tross, sich des Zauberschwertes zu bemächtigen.

Voll Schrecken gewahrte Prinzessin Ilse in der Morgendämmerung ihren Verlust, und zugleich vernahm sie den schallenden Jagdruf ihres Feindes, den nun nichts mehr hinderte, mit seiner wilden Meute in das Gebiet der betrogenen Fee einzudringen.

Kings dröhnte der Boden vom Stampfen der Rosse; die Luft durchzitterten Pfeil und Wurfspieß, und todeswund sanken die bisher beschirmten und gehegten Tiere zu Boden. Mit Entsetzen sah Ilse ihre geliebten Schützlinge fallen, und je deutlicher die schreckliche Gewissheit, dass das Schwert unwiederbringlich verloren und die Zeit ihrer Herrschaft auf der Oberwelt, vorüber sei, sich ihr einprägte, desto unfähiger war sie, ihre vom Schreck gelähmten Glieder zu rühren. Immer bleicher wurde ihr Antlitz, immer starrer der Ausdruck ihrer sanften Augen. Noch einmal versuchte sie sich zu regen, aber wie sie sich emporstreckte, wuchs sie zu riesenhafter Große auf und erstarrte zu einem kalten Fels und war verwandelt in den Ilsestein.

In grauer Dämmerfrühe, wenn der junge Tag mit der scheidenden Nacht ringt, soll, so verkündet die Sage, der hoch aufragende Felsen verschwinden und Ilse für kurze Zeit als liebliche Fee daraus hervorgehen. Aber wehe dem Sterblichen, dessen Auge sie alsdann erblickt! Mit einem Zauberspruch bannt sie ihn an den Ort, wo er steht; auch er verwandelt sich in einen Stein oder Baum, und viele von den alten, moosbewachsenen Fichten, die im Ilsetal stehen, sind bestrafte Neugierige, die vergebens auf ihre Erlösung harren.

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