Sagen und Mythen aus dem Harz - Übersicht

Woher man die Sagen des Harzes kennt

König Ilsung, der vor langer, langer Zeit auf der Ilsenburg wohnte, hatte eine reizende Tochter, Schön-Ilse genannt. Einst ritt diese mit ihrem Vater und ihrem Verlobten, dem tapferen Ritter Ralf, auf die Jagd, da verirrte sie sich im wilden Harzgebirge und vermochte die Ihren nicht wiederzufinden. Ein Unterkommen suchend, kam sie mit einbrechender Nacht an die Pforten des Geisterreiches, über das die Königin der Berge herrschte. Freundlich trat ihr diese entgegen und lud sie ein, ihren prachtvollen Kristallpalast zu bewundern. Und Prinzessin Ilse folgte, wenn auch zögernd und furchtsam, der mächtigen Herrscherin, die von huldigenden Gnomen und Kobolden begleitet wurde.

Ein ganzes Jahr weilte sie schon in der reich geschmückten Unterwelt und sah hier das geheimnisvolle Walten, das Weben und Leben der Geister, das Schaffen und Zerstören des Riesenkönigs, das feindselige Verhältnis der Königin zu dem gewaltigen Herrscher. Was sie nicht verstand, deutete ihr die liebreiche Königin und führte sie ein in die bezaubernde Märchenwelt. Doch alle Pracht und Herrlichkeit konnten Schön-Ilsens Sehnsucht nach ihrem Verlobten und ihrem Vater und nach dem Licht der Oberwelt nicht stillen. Immer dringender verlangte sie die Rückkehr, und die Königin, die die Prinzessin für immer bei sich zu behalten wünschte, konnte ihren Bitten nicht länger widerstehen. Doch verbot sie ihr bei Todesstrafe, von dem, was sie in dem unterirdischen Reiche erlebt hatte, irgend etwas zu erzählen.

So trat sie dann wieder an das freundliche Licht des Tages und freute sich der Treue ihres Verlobten, der nicht abgelassen hatte, nach ihr zu suchen. Nun aber begehrte er zu wissen, wo sie die lange Zeit geweilt hatte, und als sie die Auskunft verweigerte, drohte er ihr mit dem Verlust seiner Liebe. Da konnte Prinzessin Ilse nicht anders: sie musste das Geheimnis preisgeben.

Sie setzten sich zusammen auf das weiche Moos, sie legte ihren lieblichen Kopf an seine Brust und sah ihn mit den trauten Augen an; er legte seine Hand auf ihre Schultern, und nun begann Schön-Ilse zu erzählen. Ihr Mund verriet das Geheimnis, und kosend beschrieb sie die Pracht des Schlosses der Königin der Berggeister. Der Mond ging auf, und die Sterne erschienen am dunkelblauen Himmel, sie erzählte die Sagen des Harzes, von den Riesen und von den Zwergen. Die Nacht kam heran.

Ralf hatte ihr anfangs mit steigendem Staunen zugehört, er hing gefesselt an ihren Lippen; er begann zu träumen und schlief zuletzt ein.

Als Ralf beim Morgengrauen erwachte, da hörte er noch immer Schön-Ilse neben sich plaudern. Aber als er die liebliche Königstochter zum Morgengruß umarmen wollte, da sah er statt ihrer neben sich einen frischen sprudelnden Quell, den die Morgenröte beleuchtete. Das Wasser sprang lustig hervor und plauderte in tausend Sprüngen über die Steine immer fort und fort.

Da fasste den Ritter tiefe Verzweiflung; er fühlte jetzt, was aus Schön-Ilse durch den Verrat ihres Geheimnisses geworden war: ein klarer, frischer Bach, der, ewig zum Plaudern verdammt, plätschernd nach dem Tale hinuntersprang. Ralf baute sich eine Hütte am Ilsebach. Wenn der Neumond kam, stieg er am Wasser aufwärts, da erwartete ihn Schön-Ilse an der Quelle, lehnte kosend sich an ihn, und wieder hörte er sie die Sagen des Harzes plaudern, bis die Morgenröte das fließende Silber der Quelle färbte.

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